31.05.16 16:45

HHU-Startup-Projekt erhält Gründungsförderung

Das Team mit dem Projekt aus der Kunstgeschichte der HHU erhält eine Gründungsförderung, um eine Künstler- und Ausstellungsdatenbank aufzubauen.

Linda Walther und Bernhard Jansen (Foto: Paint the Town Studios)

Die Kunsthistoriker Linda Walther und Bernhard Jansen erhalten zum 1. Juni vom nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministerium eine Gründungsförderung in Höhe von knapp 240.000 Euro. Damit können sie ihr Projekt „art research – Internationale KünstlerInnen und –Ausstellungsdatenbank“ bis zur endgültigen Gründungsreife vorbereiten.

„An dem Projekt arbeiten wir bereits seit elf Jahren“, erklärt Bernhard Jansen, „es geht auf eine Initiative von Prof. Dr. Andrea von Hülsen-Esch zurück.“ Die hatte angeregt, Informationen über aktuelle Ausstellungen, zeitgenössische Künstler und Kuratoren zusammenzustellen, um so grundlegende Aussagen über die Struktur des Kunst- und vor allem Ausstellungsmarktes zu erhalten. „Was sind die hippsten Ausstellungsplätze, wer sind die besten Kuratoren, welche Künstler haben gemeinsame Ausstellungen, alle solche Fragen lassen sich durch die Datenbank beantworten“, berichtet die Kunsthistorikerin und Prorektorin für Internationales über die Möglichkeiten der Datenauswertung. Bernhard Jansen und Linda Walther waren von Beginn an in das Projekt involviert und beobachten nun seit vielen Jahren intensiv das Ausstellungswesen. „Jede Information wird doppelt gecheckt“, so Walther, „durch unsere genaue Arbeit ist die Fehlerquote in unseren Angaben deutlich niedriger als bei vielen anderen Nachschlagewerken.“ Preise finden sich in der Datenbank nicht, „wir wollen den bestehenden Datenbanken keine Konkurrenz machen, sondern eher den wissenschaftlichen Anspruch erfüllen, dezidiert Auskunft über Künstler und Kuratoren zu geben.“

Um die Angaben zu finden, haben die beiden Kunsthistoriker bis jetzt 120 „Schlüsselkünstler“ identifiziert, deren Ausstellungstätigkeit sie beobachten und schauen, wer mit ihnen ausstellt oder welche Ausstellungen es im Umfeld noch gibt. „Wir recherchieren stets die komplette Ausstellungshistorie, in unseren Angaben finden sich die Schauen im MoMA ebenso wie die Hinterhofausstellung“, erklärt Jansen. Galerien beschönigen oft die Ausstellungserfahrungen ihrer Künstler, da werden beispielsweise Biennalen aufgeführt, und es wird unerwähnt gelassen, wenn der Künstler etwa nicht im offiziellen Programm ausgestellt wurde, sondern „nur“ am Rande. Solche Ungenauigkeiten gibt es in der Datenbank „art research“ nicht, hier wird alles minutiös aufgelistet.
30.000 Ausstellungen, 1780 Künstler, 9060 Kuratoren, 3000 Galerien und 4435 Museen und Ausstellungsinstitutionen sind derzeit im Bestand der Datenbank. Die hohe Zahl der Kuratoren überrascht, aber auch die vielen Verbindungen, die durch die Verknüpfungen in der Datenbank offengelegt werden. „Viele Künstler sind etwa auch als Kurator tätig, das ist oft nicht bekannt“, erzählt Jansen und Walther ergänzt: „In unserer Datenbank kann man sehen, wer mit wem ausstellt, wie die Lebensläufe sind, welche Künstler etwa von einer Galerie zu einer anderen wechseln. Ebenso lässt sich beobachten, dass Kuratoren ‚ihre‘ Künstler mitnehmen, wenn sie in ein anderes Museum wechseln.“

Anderthalb Jahre haben Walther und Jansen nun Zeit, um für die Gründung alles vorzubereiten, „Wir sind schon lange von CEDUS, dem Center for Entrepreneurship Düsseldorf, unterstützt worden und haben nun die Chance, das Ganze zur Marktreife zu bringen.“ Das bedeutet, dass die Datenbank eine benutzerfreundliche Oberfläche bekommt, Schnittstellen für die Nutzung über die ULB – Katalogrecherche und auch das Marketing entwickelt werden. Dann wird sich entscheiden, mit welchem Angebot sie an den Start gehen.

Von: Victoria Meinschäfer

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