„Wenn man es nicht ausprobiert, kann man sich nie sicher sein, ob es funktioniert.“

v.l.n.r. Sebastian Ullrich, Bettina Palka, Wasilios Rodoniklis und Timo Schütte.

Warum Geisteswissenschaftler eine eigene Jobbörse brauchen und wie schnell ein Nebenjob zum eigenen Unternehmen werden kann, haben uns Bettina (Studentin, Germanistik und Kommunikations- und Medienwissenschaften B.A.), Timo (Student, Germanistik M.A.), Sebastian (promoviert in Psychologie) und Wasilios (promoviert in Sozialwissenschaften und arbeitet im Praktikumsbüro am Institut für Sozialwissenschaften) von campusrookies.de erklärt.

Worum geht es bei eurem Unternehmen und was ist das Besondere an eurer Plattform?

Bettina: campusrookies.de ist eine Praktikums- und Jobbörse für Geisteswissenschaftler. Die Jobbörse gibt es bereits seit 12 Jahren an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und zu Beginn des Jahres 2015 haben wir uns damit selbstständig gemacht.

Timo: Wir sind selbst zu größten Teilen Geisteswissenschaftler und konzentrieren uns deshalb besonders darauf, Studierenden dieser Fachrichtung ins Berufsleben zu helfen. Es gibt zwar ähnliche Projekte, aber eine wirkliche Jobbörse für Geisteswissenschaftler gab es vor campusrookies.de eigentlich noch nicht, vor allem mit dem von uns über die Jahre angesammelten Kundenstamm. Wir wollen den Leuten, die das gleiche studiert haben wie wir, zeigen: „Hey, das sind die Möglichkeiten, die ihr nach dem Studium habt.“

Was genau bietet ihr Studierenden und Unternehmen auf eurer Plattform an?

Timo: Wir bieten das gesamte Paket an Möglichkeiten: Praktika, Nebenjobs, Absolventenstellen, Traineestellen, Volontariate und Werksstudentenstellen.

Bettina: Sowohl die Unternehmens- als auch die Kandidatenprofile werden von uns vor der Veröffentlichung auf Vollständigkeit und Richtigkeit überprüft. Wir achten insbesondere auf Aktualität, so dass keine Ausschreibung älter als 6 Wochen ist. Als zusätzliches Angebot haben wir den Kandidatenpool, in dem die Unternehmen über die Profile der Studierenden nach passenden Kandidaten für ihre Stellen suchen können. Außerdem bieten wir für Studenten den Bewerbungscheck und eine Berufsfeldanalyse an.

Warum habt ihr euch gerade jetzt entschieden zu gründen?

Sebastian: Die Plattform wurde 2002 als mediarookies.de gegründet. Über die Jahre wurde die Zielgruppe immer größer. Um unser Gebiet über den Bereich der Medien hinaus zu erweitern, haben wir uns in campusrookies.de umbenannt. Da dieses Projekt für uns alle mehr war als nur ein reiner Job, haben wir uns für die Gründung entschieden. Gerade im Online-Bereich ist das benötigte Anfangskapital nicht so unglaublich hoch: Der Betrieb einer Website kostet so gut wie nichts und die übrigen Kosten belaufen sich auch nur auf geringe Summen.

Ihr seid ja selbst Geisteswissenschaftler. Musstet ihr euch zusätzliche Kompetenzen oder betriebswirtschaftliche Kenntnisse aneignen? Habt ihr Unterstützung bekommen?

Bettina: Wir besuchen fleißig Angebote der Universität und vom CEDUS bzw. von der DIWA. Es werden viele verschiedene Workshops angeboten, wie z.B. Juristische Grundkenntnisse, BWL für Nicht-Ökonomen über Marketing bis hin zu Kommunikationstrainings. Am meisten lernt man jedoch während der tatsächlichen Arbeit, Learning-by-doing sozusagen. Das wöchentliche Coaching der DIWA und die Unterstützung des CEDUS in Form unseres Büros im Life Science Center sind besonders hilfreich.

Wasilios: Sebastian Ullrich und ich verfügen über Grundkenntnisse der Betriebswirtschaft, lernen jedoch auch immer dazu. Auch die Erfahrungen im Austausch mit anderen Gründern helfen sehr, wie z.B. beim Start-Up-Weekend, beim Ideenwettbewerb, dem Gründerstammtisch oder beim Kontakt hier im Life-Science-Center. Man kann sich über dieses Netzwerk austauschen und von den Erfahrungen anderer Teams lernen.

Das ist ja eine spannende Geschichte: Eigentlich hat man nur einen Nebenjob bei einer Institution der Universität und dann wird man zum Unternehmensgründer. Wie fühlt sich dieser Schritt für euch an?

Timo: Natürlich macht man sich Sorgen, aber es überwiegt die Neugierde auf all das, was auf einen zukommt, und es ist ein riesiger Lernprozess. Ich wüsste nicht, wann ich in meiner gesamten Unilaufbahn vor solchen Entscheidungen gestanden hätte. Wenn es wirklich hinaus geht aus der Uni, ist das ein unglaublich spannendes Feld - Wahnsinn.

Bettina: Ich habe auch niemals vorher darüber nachgedacht, mich selbstständig zu machen. Es ist enorm, was wir jetzt schon an Gelerntem mitnehmen, an das ich ansonsten wahrscheinlich niemals gedacht hätte. Es macht einfach Spaß.

Ihr arbeitet ja nicht Hauptberuflich für campusrookies.de. Wie bekommt man denn die Arbeit an einem Startup und das Studium bzw. Job oder Promotion unter einen Hut?

Bettina: Es ist auf jeden Fall eine Doppelbelastung, aber ich würde auch sagen dass das sehr vom Team abhängig ist. Wenn ich mal eine Woche vor einer wichtigen Prüfung für mein Studium brauche, geht das Team damit auch flexibel um und räumt mir Freiräume ein.

Was sind Meilensteine in eurer bisherigen Geschichte, bei denen ihr gedacht habt: Darauf sind wir stolz, das haben wir schon geschafft?

Timo: Neben der baldigen Einführung des Preismodells war der Relaunch unserer Website in neuer Aufmachung ein Meilenstein. Auf Kundenseite waren die einzelnen Verkäufe an Unternehmen Highlights, die zusätzlich motivieren.

Wasilios: Ich empfinde es bereits als Meilenstein, ein Gespräch mit Vertretern großer, namhafter Unternehmen oder Konzernen zu führen. Auch die Gründung an sich mit allen Formalitäten, die man bewältigen musste, war natürlich ein enorm wichtiger Schritt für uns.

Wenn ihr auf euren Entstehungsprozess zurückblickt: Was würdet ihr gegebenenfalls anders machen? Habt ihr Tipps für andere Gründer? Was sind eure „lessons learned“?

Wasilios: Man muss Fragen stellen und lernen, sich Informationen einzuholen, um Probleme zu überwinden. Von vielen haben wir immer das Stichwort bekommen: Einfach machen! Und wir können das so weitergeben.

Timo: Gerade in der Anfangsphase denkt man zu viel nach und traut sich nicht. Wir können jetzt als Tipp geben: Probiert es einfach aus. Man kann die größten Theorien über etwas aufstellen, aber wenn man es nicht ausprobiert, kann man sich nie sicher sein, ob es funktioniert.

Sebastian: Man braucht auf jeden Fall auch immer mehr Zeit, als man eigentlich denkt. Das Gemeine an der Selbstständigkeit ist die Unsicherheit, da es auf viele Fragen keine klaren Antworten gibt, selbst dann nicht, wenn man Experten befragt. Bei schlechten Entscheidungen ist man selber schuld, dafür kann man aber bei einer guten Entscheidung auch die Früchte ernten.

Wie sehen eure Zukunftspläne aus? Wo seht ihr euch in 5 Jahren?

Timo: DIE Plattform für Geisteswissenschaftler zu sein - das wäre schon das Ziel, von dem wir träumen. Wir wären gerne in Deutschland und darüber hinaus bekannt und haben schon einige Ideen wie Kooperationen mit Universitäten in anderen Ländern, um diesen Traum vielleicht einmal Wirklichkeit werden zu lassen. Aber zuerst einmal ist es unser Ziel in Deutschland bekannt zu werden. Wir sind von den Unternehmen her mittlerweile bundesweit aufgestellt, die meisten Studierenden sind aber noch hier aus der Region.

Wasilios: Sich selber nach dem Studium mit so einem Projekt in der Selbstständigkeit zu finanzieren wäre natürlich klasse. Ich kann nicht für alle im Team sprechen, aber für mich persönlich wäre das der wünschenswerteste Weg in die Zukunft.

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute!

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