„Man hat höhere Erfolgschancen, wenn man sich gut versteht und gegenseitig nach vorne treibt.“

v.l.n.r. Noman Naeem, Christoph Stössel und Jannik Fiedler (Foto: David Pham / Amir Ouadahi)

Wie man Krisen meistert und welche Rolle dabei das Team spielt, erklären Jannik und Christoph von TellBiRD im Interview.

Stellt euch und das Team von TellBiRD bitte kurz vor.

Christoph: Ich habe 2013 zusammen mit Dennis van Egmond das Unternehmen TellBiRD gegründet. Dabei ist Dennis der Designer und ich bringe den BWL-Hintergrund mit. Wir waren eine Weile ein Zweier-Team, das mit einem Inkubator aus Düsseldorf zusammengearbeitet hat. Aber wir hatten keine IT-Kompetenz im Team und haben glücklicherweise im letzten Jahr mit Jannik hier eine Verstärkung gefunden.

Jannik: Wir haben noch zwei Praktikanten, die für die Themen Marketing und App-Entwicklung zuständig sind.

Und was genau ist eure Geschäftsidee?

Jannik: Wir bauen eine Plattform für Unternehmen, auf der Kunden andere Kunden werben. Das funktioniert dann so, dass ich als Kunde meinen Freunden ein Produkt empfehle und dafür eine Prämie erhalte. Wir entwickeln für dieses Konzept eine Plattform, wo Unternehmen uns für diese Werbestrategie bezahlen, so dass sie diese Strukturen nicht selber entwickeln und betreiben müssen.

Christoph: Wir wickeln den ganzen technischen Prozess ab, versenden die Gutscheine und schauen, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Wir bieten also eine schöne leicht nutzbare Plattform, um diesen Empfehlungsprozess zu initiieren und durchzuführen.

Wie ist die Idee entstanden?

Christoph: Die meisten Start-ups hatten eine plötzliche Eingebung oder haben eine tolle Story, wie sie zu ihrer Idee gekommen sind. Wir sind beim Brain-Storming nachts um zwei auf das Konzept gekommen. Wir waren eigentlich davon überzeugt, dass es ein solches Empfehlungssystem schon geben müsse. Doch bei Google haben wir nichts Gleichartiges gefunden, und dann dachten wir uns: Dann machen wir es!

Wie seid ihr dann an die Gründung selbst herangegangen?

Christoph: Nachdem 2012 die Idee entstanden ist, haben wir uns erstmal an ein Konzept gesetzt. Einige Monate später sind wir schließlich mit unserem Projekt zum Gründerservice der DIWA gegangen. Nach dem ersten Treffen hatten wir gleich die Zusage für ein eigenes Gründerbüro und die Sache hat ihren Lauf genommen.
Wir haben dann gemeinsam am Businessplan gearbeitet und das Coaching jede Woche wahrgenommen. Letztendlich haben wir über die DIWA auch den Kontakt zu unserem Investor gefunden. Ungefähr ein Jahr nach der Idee haben wir in Kombination mit einer Anschluss-Finanzierung unser Unternehmen gegründet.

Gab es im Prozess der Gründung irgendwelche Hindernisse oder Dinge, die ihr aus heutiger Sicht anders machen würdet?

Christoph: Man macht natürlich immer Fehler, aber im Großen und Ganzen hat alles ziemlich gut funktioniert. Allerdings war nach der Gründung das Outsourcing unserer Programmierung nach Indien ein großes Problem.

Jannik: Der Plan war, eine große Plattform im Internet aufzubauen, für die man die nötige Software programmieren musste. Zu der Zeit hatte TellBiRD keinen eigenen IT-Guy, weshalb die Aufgabe ins Ausland outgesourced werden sollte. Der Auftrag ist am Ende in Indien gelandet, ohne dass in Deutschland jemand die Kontrolle über das Projekt in der Hand behielt.

Christoph:
Das war schon unser größter Fehler, der uns viel Zeit und Nerven gekostet und für graue Haare gesorgt hat. Wir waren letzten Sommer, nach 1,5 Jahren, weit davon entfernt rentabel zu sein. Wir hatten kein Geld mehr und mussten uns überlegen, was wir jetzt machen: Das Projekt beenden oder es auf Sparflamme und mit einem eigenen IT-Mann im Team weiterzumachen.

Wie seid ihr aus diesem Tief wieder rausgekommen?

Christoph: Es war nicht einfach, aber wir haben als Team dem Ganzen Stand gehalten. Dann hat sich alles zum Positiven entwickelt: Wir haben dann alle Kosten reduziert, sind aus unseren Büro ausgezogen und haben uns von dem Team in Indien getrennt, so dass wir am Ende nur minimale Eigenmittel aufbringen mussten. Über Nebenjobs haben wir uns so finanziert und nebenbei jede übrige Zeit, meistens so zwei bis drei Tage die Woche, in TellBiRD gesteckt. Das hat funktioniert und wir können jetzt wieder mit einer geregelten Struktur Gas geben.

Wenn wir nun gerade über eure aktuelle Situation sprechen: Woran arbeitet ihr derzeit und wie sieht der Arbeitsalltag in eurem Büro aus?

Jannik: Da wir noch ein kleines Team sind und viel Kommunikation notwendig ist, stimmen wir uns immer eng über die anfallenden Aufgaben ab. Wir benutzen ein sogenanntes Scrum-System, innerhalb dessen wir sogenannte Tickets, Issues oder Bugs erstellen können, die dann abgearbeitet werden. Ansonsten wird viel entwickelt. Aber im Grunde geht es vor allem darum, unser Produkt an den Mann zu bringen, also Kunden zu gewinnen.

Christoph:
Zurzeit suchen wir den persönlichen Kontakt zu Kunden aus der Region. Oder wir vereinbaren in anderen Fällen per Telefon Online-Meetings. Das Ziel dieser Erstgespräche ist, unser Produkt vorzustellen. Das funktioniert momentan ganz gut.

Das heißt, ihr konzentriert euch momentan nur auf die Region um Düsseldorf herum oder sucht ihr direkt schon Kunden in ganz Deutschland?

Christoph: Passend zum Thema „over-engineering“ waren wir am Anfang direkt international konzipiert und haben TellBiRD gleichzeitig für Deutschland, die Niederlande, Frankreich und Indien entwickelt. Mittlerweile sind wir aber national fokussiert und wollen erstmal in ganz Deutschland bekannt werden.

Mit Blick in die Zukunft: Wie soll es bei euch weitergehen? Was steht als nächstes an?

Jannik: Momentan finanzieren wir uns und die Firma noch selbst über Nebenprojekte und -jobs. Der nächste wichtige Schritt ist sicherlich, dass das aufhört und sich das Unternehmen selbst trägt.

Welche Tipps könnt ihr Menschen geben, die sich für das Thema Gründung interessieren?

Christoph:
Ich würde zwei Tipps geben. Zum einen sollte man in einem heterogenen Team gründen. Es finden sich oft Teams zusammen, die nur aus BWLern oder ITlern bestehen, und das funktioniert meistens einfach nicht.
Und andererseits sollte man sich am Anfang auf ein Minimalprodukt fokussieren und die Sache nicht verkomplizieren. Man neigt dazu, alles direkt komplex aufzubauen und sich viele Zusatzfeatures zu überlegen und das ist einfach der falsche Ansatz. Das haben mir allerdings auch viele Menschen gesagt, weshalb das vielleicht eine Erfahrung ist, die man auch selber machen muss.

Jannik: Gerade in schwierigen Zeiten, die für die meisten Start-ups automatisch irgendwann eintreten, braucht man Motivation. Diese bleibt vor allem dann erhalten, wenn man ein gutes Team hat. Man sollte sich gut verstehen und gegenseitig nach vorne treiben. Man hat bestimmt weniger Erfolgschancen mit seinem Start-up, wenn man sich alleine in die Garage setzt und da irgendwas macht. Irgendwann verliert man den Fokus.

Vielen Dank für das Gespräch!

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