„Man braucht eine starke Idee, für die man brennt.“

Mareike Christina Awe und Marc-Christopher Reinbach (Foto: David Pham / Amir Ouadahi)

Wie zwei Mediziner durch die Gründung eines eigenen Unternehmens der Bevölkerung intuitives Essen beibringen können, erklären Mareike und Marc von intumind.

Was ist die Idee hinter eurem Unternehmen und wie ist diese entstanden?

Mareike: Wir sind zwei Medizinstudenten und haben 2015 gemeinsam intumind gegründet. Ich habe während des Studiums intuitives Essen für mich entdeckt und festgestellt, dass es dafür in der Bevölkerung großen Bedarf gibt: Jeder zweite Deutsche ist übergewichtig und Diäten funktionieren in über 90% der Fälle nicht so wie versprochen. Unser Programm intueat ist genau das Gegenteil einer Diät: Man lernt „von innen statt von außen“ wieder intuitiv auf den Körper zu hören und vertraut darauf, dass der eigene Körper weiß, was, wann und wie viel er wirklich benötigt. Dadurch erreicht man, ohne auf etwas zu verzichten, langfristig, entspannt und genussvoll sein Wohlfühlgewicht.

Hattet ihr schon immer den Wunsch ein Unternehmen zu gründen?

Mareike: Es sind zwei Sachen parallel passiert: Ich habe versucht, Leuten mit Übergewicht intuitives Essen beizubringen und Marc hat zur gleichen Zeit eine Gründungsidee gesucht, um sich selbstständig zu machen. Diese Aspekte haben wir dann kombiniert und sind so auf die Idee unserer Firma gekommen.

Marc: Im Studium fehlte mir der praktische Ansatz. Man lernt ständig für Klausuren, nur um das sehr detailreiche Wissen danach direkt wieder zu vergessen. Im Krankenhaus ist es außerdem schwierig, den Leuten tiefgreifend zu helfen, da man immer nur auf die Krankheiten reagiert und unter hohem Zeitdruck steht.

Wie seid ihr die Selbstständigkeit angegangen?

Mareike: Wir hatten die Idee im Februar und haben eine Pilotgruppe von 10 Leuten gestartet, um eine allererste Version unseres Programms auszuprobieren. Das hat alles schon sehr gut funktioniert. Dann haben wir unsere Idee beim Start-up Weekend in Düsseldorf gepitcht und hatten damit großen Erfolg. Uns haben viele Leute ermutigt, das Projekt weiter zu verfolgen, daher stand unser Entschluss zur Selbstständigkeit ab diesem Moment fest.

Marc: Wir haben anschließend auch beim Ideenwettbewerb der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf mitgemacht und den Publikumspreis gewonnen. Nachdem ein Artikel mit einem Bild von uns in der Zeitung war, haben sich sofort 30 neue Teilnehmer angemeldet. Dann wussten wir, dass wir jetzt unser Unternehmen gründen müssen, da dies unsere ersten zahlenden Kunden werden sollten.

Mareike: Wir haben gelernt, dass Gründen verbindlicher ist als heiraten, deshalb hat Marc mir halb zum Spaß sogar einen Gründungsring geschenkt. Es war ein sehr intensiver Sommer, da wir parallel studiert, an intueat und unseren Doktorarbeiten gearbeitet haben.

Ihr habt also zu zweit gegründet. Wer ist bei euch im Team für welche Aufgaben zuständig?

Mareike: Wir sind beide als Geschäftsführer eingetragen und haben mittlerweile drei Mitarbeiterinnen. Marc ist eher der Techniker bei uns, während ich mehr inhaltlich für das Programm verantwortlich bin. Isabelle, Thuy Ha und Sandy haben wir für den Kundensupport eingestellt, aber sie helfen überall mit. In einem Start-up gibt es 20.000 Aufgaben und jeder ist irgendwie für alles zuständig, aber es gibt auf jeden Fall Schwerpunkte.

Wie ging es nach der Gründung weiter?

Marc: Wir wurden von der Universität unterstützt und sind vor kurzem in unser eigenes Gründerbüro gezogen. Gerade jetzt, da wir sogar erste Mitarbeiterinnen haben, ist es wirklich praktisch, dass wir einen richtigen Arbeitsplatz haben. Das ist ein Mittelpunkt, der den Teamgedanken und die Zusammenarbeit stärkt. Man kann sich auch viel besser und kreativer auf die Arbeit konzentrieren.

Welche Kenntnisse musstet ihr euch zusätzlich noch aneignen?

Marc: Da wir aus dem medizinischen Bereich kommen, mussten wir uns eigentlich alles neu aneignen. Die Website habe ich selbst gemacht – das hat zwar gedauert, aber ist heutzutage durch Tools wie WordPress einfacher als früher. Bei BWL-Aspekten haben uns teilweise ein Steuerberater und unsere Eltern weitergeholfen.

Mareike: Wenn man wirklich etwas lernen will und als Person wachsen will, dann sollte man gründen. Man lernt so viele verschiedene Dinge gleichzeitig, aber man macht es auch gerne und schnell, einfach weil man es braucht.

Auf welche großen Erfolge oder Meilensteine seid ihr besonders stolz?

Marc: Die Gründung an sich war natürlich ein großer Schritt, weil man offiziell im Handelsregister eingetragen ist. Es ist außerdem etwas ganz besonderes, wenn man positives Feedback von Kunden bekommt, die Geld für unser Programm ausgegeben haben und zufrieden mit dem sind, was wir dafür geliefert haben.

Mareike: Der Launch unserer Website war natürlich auch ein großer Schritt, ebenso wie die Tatsache, dass wir auch für die aktuelle Runde direkt so viele Kunden gefunden haben. Am meisten stolz bin ich auf unsere zufriedenen Teilnehmer. Es ist die größte Motivation, ihre Dankbarkeit zu erfahren.

Ihr wart seit Anfang des Jahres in vielen Medien zu sehen, wie dem WDR, RTL oder der Zeitschrift Brigitte. Wie kam es dazu?

Marc: Wir haben viele verschiedene Medien einfach angeschrieben oder angerufen und ihnen unsere Idee vorgestellt. Das Thema Ernährung ist zum Glück immer aktuell, weshalb wir auf großes Interesse gestoßen sind. Es ist trotzdem schwierig, zu den Personen durchzukommen, die tatsächlich etwas entscheiden dürfen.

Mareike: Das war eine ganz neue Welt, in die wir hineinfinden mussten. Deshalb war ich glücklich, dass so viele Berichte von Journalisten zustande gekommen sind, die sich teilweise sogar selbst durch die Teilnahme am Programm von unserem Produkt überzeugt haben und so authentisch über intueat berichten konnten.

Wie fühlt man sich als Gründer, wenn man für sein eigenes Unternehme verantwortlich ist?

Marc: Es ist auf jeden Fall aufregend, aber mittlerweile fühlt es sich vor allem richtig an. Die Motivation ist eine ganz andere als beim Studium, bei mir zumindest. Ich bin intrinsisch viel motivierter, da ich selber Verantwortung trage und Entscheidungen treffe.

Mareike:
Im Medizinstudium trägt man zwar auch Verantwortung, aber man steht in der Selbstständigkeit nicht mehr in der Hierarchie ganz unten wie als Student im Krankenhaus. Man hat niemanden, an den man Verantwortung im Notfall abgeben kann. Es fühlt sich besser an, wenn man auf diese Weise selber für alles anstehende verantwortlich sein kann.

Was sind eure Pläne für die Zukunft, sowohl kurz- als auch langfristig?

Mareike: Unser Ziel ist es, deutschlandweit zur „Nummer 1“ zu werden, wenn es um Wohlfühlen und langfristiges, gesundes Abnehmen geht. Danach kann man das Programm in weiteren Ländern anbieten. Theoretisch ist der Markt riesig, aber wir wollen nach und nach wachsen. Man muss rechtzeitig delegieren und ein Team aufbauen, sodass man nicht mehr jeden Arbeitsschritt selber macht.

Würdet ihr aus heutiger Sicht irgendetwas anders machen?

Marc: Bisher hat zum Glück immer alles gut geklappt. Es gab schon Situationen, in denen wir Fehler hätten machen können, aber wir haben uns immer im letzten Moment für die richtige Option entschieden.

Zum Abschluss: Habt ihr noch Tipps für andere Gründer?

Mareike: Als Gründer braucht man eine starke Idee, für die man brennt. Man braucht Leidenschaft, Zielstrebigkeit und Beharrlichkeit. Man muss seine Vision verfolgen und aus jedem Fehler lernen. Ein gutes Team ist Gold wert – gerade in schweren Zeiten.

Vielen Dank für das Gespräch!

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