„Unser stärkstes Alleinstellungsmerkmal ist, dass wir zusammen so gut funktionieren.“

v.l.n.r. Dominik Urselmann, Clemens Pietza und Marco Teiber (Foto: David Pham / Amir Ouadahi).

Wie reibungslos die Zusammenarbeit zwischen zwei Chemikern und einem BWLer funktionieren kann, erzählen Marco, Dominik und Clemens von reaxon.

Wer seid ihr und was ist eure Geschäftsidee?

Marco: Wir sind reaxon und unser Team besteht aus zwei Chemikern, Dominik und mir, und Clemens, unserem BWLer. Dominik und ich haben im Rahmen unserer Promotion innovative Verfahren zur Herstellung von bisher nur schwer zugänglichen Forschungschemikalien entwickelt. Diese Stoffe braucht man unter anderem für die Anwendung in den Bereichen Organische Elektronik und der Pharmaindustrie. Wir können dadurch bestimmte chemische Spezialsubstanzen wesentlich schneller und günstiger herstellen als das bisher möglich war. Wir bieten unseren Kunden nicht nur fertige Substanzen an, sondern wir können auch bedarfsgerechte Chemikalien auf Anfrage produzieren.

Wie weit seid ihr mit eurem Gründungsprojekt momentan?

Clemens:
Wir arbeiten alle daran, dass wir ca. in einem halben Jahr reaxon als Unternehmen gründen können. Meine Aufgabe besteht derzeit darin, die laufenden Prozesse zu strukturieren und auf ein Unternehmensniveau zu bringen. Marco kümmert sich u.a. um das Corporate Design und die Gefahrgutlogistik, während Dominik zum größten Teil im Labor arbeitet.

Dominik: Technisch gesehen sind wir mit der Verfahrensentwicklung weitgehend durch und haben einige Produkte, die sich jetzt in der Produktion befinden. Was wir jetzt noch vor der Brust haben ist dieser ganze vollautomatisierte Bestellprozess, da diese Idee erst während des EXIST-Gründerstipendiums gereift ist und zu unserem nächsten anstehenden (Förder-)Projekt geworden ist.

Wie habt ihr euch als Team gefunden?

Clemens:
Marco und Dominik haben zusammen Chemie studiert und kennen sich schon lange. Für die Beantragung des Exist-Gründerstipendiums vor mittlerweile zweieinhalb Jahren brauchten Marco und Dominik einen Betriebswirt. Über eine gemeinsame Freundin kannten wir uns vom Hörensagen schon etwas länger und durch sie haben wir letztlich zueinander gefunden. Ich wollte mich auch immer selbstständig machen und war gerade mit meinem Bachelor fertig, sodass es zufällig auch zeitlich sehr gut passte.

Chemie und Betriebswirtschaft sind ja erst einmal ganz verschieden. Wie funktioniert denn die Kommunikation zwischen Chemikern und einem BWLer?

Clemens:
Obwohl man das immer denkt, war das gar nicht so schwierig. Wir haben zwar schon während des Förderantrags festgestellt, dass wir sehr verschiedene Sichtweisen auf die Dinge haben, aber das tat uns auch gut. Man merkt auch, dass man im Laufe der Zeit immer mehr die Sicht des jeweils anderen einnimmt und diese Ansicht bereits in seine Entscheidungen einfließen lässt. Darüber hinaus haben uns auch sicherlich gemeinsame private Interessen geholfen schnell auf einen Nenner zu kommen.

Marco: Wir waren am Anfang schon sehr kritisch dem jeweils anderen gegenüber, wir Chemiker wollten für unsere Chemie-Firma nicht unbedingt einen BWLer dabei haben. Im Nachhinein sind Dominik und ich sehr froh, dass mal jemand mit einem ganz anderen Hintergrund da ist, der uns auch aus Diskussionen herausreißt, die für die aktuelle Lage komplett irrelevant sind. Wir haben uns früher über Dinge gefreut, die chemisch toll waren, die aber keinen Geschäftsmann interessieren. Clemens achtet jetzt darauf, ob eine Neuerung etwas bringt und wir Geld damit verdienen können, und wir lernen auch viel von ihm.

Wie ist dieser Gründungsgedanke bei euch zustande gekommen? War das eine spontane Idee aus der Promotion heraus?

Dominik:
Spontan war es tatsächlich überhaupt nicht. Wir hatten bereits während des Studiums schon mehrere Ideen, wie man sich selbstständig machen könnte, und diese Ideen hatten größtenteils auch gar nichts mit Chemie zu tun. Eine Unternehmensgründung hatten wir schon lange als Ziel vor Augen. Dieses Thema ist dann während der Promotion auch wieder aufgekommen und so haben wir es umgesetzt.

Wie fühlt man sich jetzt als Gründer, wenn man komplett selbst für seine Arbeit und auch sein Einkommen verantwortlich ist?

Alle:
Sehr gut!

Clemens: Es fühlt sich einfach besser an wenn man sich seine Arbeitszeit und vor allem die Leute aussuchen kann, mit denen man gerne zusammenarbeitet. Das ist bei uns der Fall und macht eigentlich den Reiz und die Motivation aus. Wir werden mit sehr vielen neuen Aufgaben konfrontiert, beispielsweise weiß ich morgens auf dem Weg ins Büro oft nicht genau, was an diesem Arbeitstag alles auf mich zukommt. Das ist sehr spannend und reizvoll.

Habt ihr euch noch zusätzliche Hilfe gesucht bei eurem Gründungsvorhaben?

Clemens
: Es ist auf jeden Fall zwingend, eine gute Rechtsberatung, einen guten Steuerberater und vor allem auch Kontakte zu erfahrenen Leuten im entsprechenden Netzwerk zu haben. Mit der DIWA und dem Gründerservice der Universität Düsseldorf sind wir durch den HHU-Ideenwettbewerb in Kontakt gekommen. Das Team der DIWA hat uns dann gecoacht und wir konnten unser eigenes Gründerbüro bekommen.

Wie sieht in nächster Zeit und vielleicht auch schon auf längere Sicht eure Planung aus? Wo soll es hingehen, was sind die nächsten Schritte?

Marco:
Aktuell werden wir durch den Pre-Seed-Gründerfonds der Heinrich-Heine-Universität unterstützt. Danach erhalten wir für ein neues Förderprojekt das NRW-Gründerstipendium, durch das wir bis ins Frühjahr 2017 finanziert sind und mit dem wir unseren Wettbewerbsvorsprung massiv ausbauen können. Wenn alles klappt können wir in dieser Zeit unsere in der Existphase entwickelten Produkte vermarkten.

Clemens: Dadurch dass jetzt die Finanzierung bis ins nächste Jahr gesichert ist, haben wir den Rücken frei, um uns um das Wesentliche zu kümmern: nämlich die Herstellung und den Vertrieb komplexer Forschungschemikalien. Wir sind aktuell in der Pilotprojektphase mit ersten Testkunden und strukturieren, wie bereits erwähnt, zur Gründungsvorbereitung unser Unternehmen in einigen Bereichen um mit dem Ziel der besseren Skalierbarkeit durch mehr Automation.

Wie sichert ihr eure Idee? Habt ihr darauf ein Patent angemeldet?

Dominik:
Nein, bisher haben wir kein Patent. Wir sichern uns hauptsächlich über Verfahrensgeheimhaltung, da Verfahrenspatente leider recht schwach sind. Unseren Bestellprozess wollen wir jedoch schützen, sobald wir diese Automatisierung in die Tat umgesetzt haben.

Marco:
Wir werden in Zukunft auch eigene Stoffsysteme auf den Markt bringen, also Substanzen, die exklusiv von Reaxon erhältlich sind. Auch das ist ein Spezialfall, der dann mit Patentrecht abgesichert wird.

Würdet ihr aus heutiger Sicht rückblickend irgendetwas anders machen? Gab es besondere Hürden oder Probleme, mit denen ihr nicht gerechnet habt?

Marco:
Wir würden uns sicherlich viel Zeit dadurch ersparen, nicht immer den richtigen Ansprechpartner suchen zu müssen. Ich glaube, dass wir uns in den letzten 1,5 bis 2 Jahren sehr weiterentwickelt haben, gerade in Bezug auf Kommunikation. Wir haben auch die Startup-Welt durchdrungen und für uns entdeckt. Aber ich sehe rückblickend keine Momente, über die ich sagen würde, dass wir uns mit unserem damaligen Wissen hätten anders entscheiden sollen. Trotz der üblichen Irrwege bin ich sehr zufrieden.

Gibt es Meilensteine, auf die ihr besonders stolz seid?

Clemens:
Natürlich jede einzelne Finanzierungsrunde, was für uns momentan die interessanteste Form der Wertschätzung und Anerkennung ist. Retrospektiv war auch der Gewinn des Rheinischen Innovationspreises bedeutsam. Dabei war der Preis an sich gar nicht so wichtig, aber die damit verbundene Aufmerksamkeit und die entstandenen Kontakte waren sehr wertvoll.

Marco: Ich würde das Team in diesem Zusammenhang noch nennen. Am Anfang waren wir uns unsicher, ob die Zusammenarbeit auf Dauer gut funktioniert. Im Endeffekt kann man, glaube ich, ganz stolz sagen, dass unser stärkstes Alleinstellungsmerkmal ist, dass wir zusammen so gut funktionieren.

Vielen Dank für das Gespräch!

Kontakt:
reaxon
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