Haiko Müller (Foto: privat)

Wie man auch alleine Schritt für Schritt seine Idee zum Unternehmen entwickeln kann, erklärt Haiko von DOYOBI im Interview.

Was ist deine Idee und wie ist sie entstanden?


Haiko: Mit meiner Firma DOYOBI GmbH stelle ich das Produkt Matchati her, einen Eistee mit pulverisiertem Grüntee. Die Idee ist daraus entstanden, dass mir auffiel, dass es noch keinen Eistee mit Matcha-Tee im Handel zu kaufen gab. Mein Ziel war, eine Rezeptur zu entwickeln, die nicht zu süß ist, so dass man den Tee noch gut herausschmeckt. Das macht das Produkt auf dem Markt einzigartig.

Kommst du denn aus dem Lebensmittelbereich und wie kamst du gerade auf Matcha-Tee?

Haiko:
Nein, ich komme eigentlich aus dem Bereich Medien. Ich arbeite seit 10 Jahren als Grafiker, weshalb mir der gesamte Kommunikationsbereich leicht fiel. Das ist auch finanziell eine große Erleichterung, wenn man keine Agentur für das Marketing beauftragen muss. Durch mein Studium im Fach Medienkulturwissenschaft mit Schwerpunkt Modernes Japan war der Bezug zum japanischen Überthema gegeben. Matcha ist ein klassischer japanischer Tee.

Wie lange hat das Entwickeln der Rezeptur gedauert?

Haiko:
Vom ersten Versuch bis zur aktuellen Version hat es anderthalb Jahre gedauert, da nicht alles in der industriellen Herstellung funktioniert, was man zuhause im kleinen Maßstab ausprobiert hat. Ich musste erstmal sehen, ob ich die benötigten Zutaten überhaupt in größeren Mengen würde bekommen können, das ist zum Beispiel auch saisonabhängig. Das aktuelle Rezept ist ungefähr die 50. Feinrezeptur, da das Verhältnis der einzelnen Zutaten immer genau aufeinander abgestimmt werden muss. Beim Abschmecken habe ich mir natürlich von Freunden helfen lassen.

War der Wunsch zur Gründung schon vor der Idee da oder kam dir dieser Gedanke erst nach dem Einfall, dass ein solches Getränk auf dem Markt fehlt?

Haiko:
Ich hatte schon immer den geheimen Wunsch, dass ich irgendwann einmal in einer Bar und einem Café sitzen möchte und mein eigenes Getränk bestellen kann. Mein Ziel war anfangs, das in lokalem Rahmen zu verwirklichen, und das bin ich dann angegangen. Ich musste dann mein ursprünglich eingeplantes Budget immer wieder erhöhen, da alleine die nötigen Zertifizierungen sehr teuer sind. Als ich dann gemerkt habe, dass das Projekt immer größer wird, habe ich gegründet.

Musstest du dir für die Existenzgründung Kenntnisse aneignen, über die du vorher überhaupt nicht nachgedacht hast?

Haiko:
Ja, zum Beispiel rechtliche Vorschriften zur Etikettierung von Lebensmitteln, die sehr streng vorgeschrieben sind. Da helfen einem aber auch die zuständigen Zertifizierungsstellen, weshalb ich keinen Anwalt für so etwas einschalten musste. Ich musste erstmal lernen, wie die Logistik in der Getränkeindustrie funktioniert, da beispielsweise das Mehrwegsystem nicht so einheitlich ist, wie es auf den Kunden erstmal wirkt.

Hattest du weitere Hilfe bei der Gründung? Wie kam der Kontakt zum CEDUS zustande?

Haiko:
Ich habe ein Steuerberatungsbüro, das sich um meine Buchhaltung kümmert und mir bei steuerlichen Fragen zur Seite steht. Das ist besonders praktisch, da ich immer noch alleine für alles zuständig bin und mir noch keine Mitarbeiter leisten kann. Während des Gründungsprozesses habe ich mich nach Fördermöglichkeiten und allgemeiner Unterstützung für junge Unternehmen umgeschaut und habe das CEDUS gefunden. Durch ein Coaching bin ich auch auf Ideen und Fragestellungen gekommen, an die ich vorher noch gar nicht gedacht hatte.

Wie fühlt man sich in der Selbstständigkeit, wenn man selber für alles im Unternehmen verantwortlich ist?

Haiko:
Verantwortung ist ein gutes Stichwort. Ich arbeite schon länger selbstständig als Grafiker, also im Dienstleistungsbereich, aber Produktentwicklung und -vertrieb sind noch einmal eine ganz neue Herausforderung. In fünf Jahren eine Million Flaschen zu verkaufen wäre eine mögliche Vision, aber ich will mich nicht selbst unter Druck setzen und eher neue Wege und Möglichkeiten entdecken.

Wie hast du die ersten Kunden akquiriert? Woher weißt du, wen du ansprechen musst?

Haiko:
Ich bin erstmal zu den Bars und Kneipen in meiner Heimatstadt Osnabrück gegangen, wo ich auch viele Leute kannte, und habe das Produkt testen lassen. Ich habe diese Geschäfte auch mit Bierdeckeln, Plakaten und Aufstellern ausgestattet und viel positive Resonanz und erste Nachbestellungen bekommen. Bei einem überregionalen Händler bin ich nun im Programm, was für mich wesentlich einfacher ist als der Direktvertrieb. Über das CEDUS habe ich außerdem Kontakt zum Studierendenwerk Düsseldorf aufgenommen, so dass es in den Mensen und Cafeterien der HHU nun auch Matchati zu kaufen gibt.

Gibt es im Rückblick auf dem Weg in die Selbstständigkeit unerwartete Hindernisse, an die du nie gedacht hättest?

Haiko:
Die ursprüngliche Idee umzusetzen war tatsächlich das größte Problem, also vor allem das Finden der Rohstoffe und des Abfüllers. Viele andere Dinge dauern einfach viel länger, als ich es mir ursprünglich vorgestellt hatte: Ein Biosiegel beispielsweise wird nicht für ein Getränk, sondern einen Betrieb ausgestellt, und das wird auch regelmäßig kontrolliert. Alles hat seine Zeit gebraucht, aber wenn ich versucht hätte, es krampfhaft schneller zu machen, dann wäre das Resultat schlechter geworden.

Auf welche großen Erfolge oder Meilensteine bist du besonders stolz?

Haiko:
Es waren vor allem immer die kleinen Momente, in denen ich Rückmeldung bekam, dass jemand Matchati nachbestellen wollte, oder dass sich Leute mit positiven Feedback auf Facebook melden. Persönlich der größte Meilenstein war natürlich der Moment, als die ersten Paletten angeliefert wurden und ich die erste abgefüllte Lieferung meines eigenen Produkts in den Händen halten konnte.

Du hast schon davon gesprochen, dass du dir keine zu großen Ziele setzen willst. Wo soll es denn in einem perfekten Szenario einmal hingehen mit Matchati?

Haiko:
Perfekt wäre, wenn es mein Getränk in vielen deutschen (Groß-)Städten zu kaufen gäbe und es eine dauerhafte Nachfrage gäbe. Ich kann keine genauen Zahlen nennen, da ich selber noch gar nicht einschätzen kann, welche Nachfrage aus einer großen Studentenstadt überhaupt zusammenkommen könnte. Mittelfristig ist auf jeden Fall ein Ziel, das Produktangebot zu erweitern und weitere Getränkesorten zu erfinden.

Hast du Tipps für andere Gründer? Woran sollte man bei der Selbstständigkeit auf jeden Fall denken?

Haiko:
Man muss Ausdauer haben, sein eigenes Produkt auch so lange zu ändern bis es funktioniert. Dinge, die an sich gut sind, müssen auch an den Markt und äußere Umstände angepasst werden, welche man nicht von Anfang an kennen kann. Das Wichtigste ist aber, einfach anzufangen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Kontakt:
DOYOBI GmbH
Pulverweg 23
47051 Duisburg
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